Beitrags-Archiv für die Kategory 'Medien'

Politische Bildung a la Nahost

Mittwoch, 22. Oktober 2014 11:59

Silvina Landsmann, aus Argentien stammende Filmemacherin, schuf eine beeindruckende Dokumentation “Soldiers/Citizen” über israelische Soldaten, die am Ende ihrer Dienstzeit noch einen dreiwöchige Kurs mit Prüfung in Politik ablegen mussten, die man als europäisch denkender Mensch am Beginn der Armeezeit erwarten würde. Irritierend in ihrem Dokumentarfilm insbesondere die Art des politischen Diskurses zwischen zivilem Lehrer und jungen Soldaten aller Couleur und politischer Ausrichtung. Und dennoch ein Mosaikstein, um die multikulturelle, multiethnische Nation und seine Konflikte besser verstehen zu lernen. Verstehen zu können, wäre wohl zu viel verlangt.

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Frauenversteher Gabriel

Mittwoch, 3. September 2014 10:09

In welchem Zeitalter leben und arbeiten eigentlich die Kolleginnen und Kollegen des FAZ-Wirtschaftsressorts, darf man sich bei der morgendlichen Zeitungslektüre wundern. Unter einem Foto, das den aktuellen Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel entspannt lachend mit der Parlamentarischen Staatssekretärin Brigitte Zypries zeigt, droht die Headline: „Männer haben es bei Gabriel schwer“.

Oh, Frauenversteher!

Der bemüht sich nämlich derzeit, die Kritik, dass auch der Staat als Arbeitgeber in der Pflicht ist, qualifizierten Frauen mehr Führungsverantwortung zu übertragen, ernst zu nehmen. Seine Parlamentarische Staatssekretärin Brigitte Zypris soll demnächst in den Aufsichtsrat der Deutschen Bahn einziehen und vermutlich dort nicht Mauerblümchen spielen, sondern mitmischen. Und eine weitere Frau seines Hauses, Iris Gleicke, ebenso Parlamentarische Staatssekretärin, wird in das Aufsichtsgremium der Deutschen Energie-Agentur (Dena) entsandt und sicher dort keinen Kaffee kochen.

Dass dem Artikel der Satz „Qualifizierte Männer gehen leer aus“ vorangestellt wird, ist mehr als unseriös. Süffisant wird formuliert, ein Staatssekretär, dem der Dena-Posten fest versprochen war, sei im Geschlechterstreit unterlegen, im anderen Fall, ein Topmanager sei ausgebootet worden.

Wenn es wirklich um Qualifikation geht, darf man im Falle von Iris Gleicke fragen, ob eine fünfzigjährige Hochbau-Ingenieurin mit Führungserfahrung, Kenntnissen in der parlamentarischen Arbeit im Bundestag und mit langjährigen Erfahrungen als Staatssekretärin in verschiedenen Ministerien schlechter qualifiziert sei für eine Energie-Agentur als ein 65 Jahre alter Lehrer für Grund-, Haupt- und Realschulen, der einst Senator für Außenhandel in der Hansestadt Bremen war. Und bei der Personalie Zypries dürfte es auch nicht an der Qualifikation mangeln, die die Juristin u.a. als Referatsleiterin in der niedersächsischen Staatskanzlei, als Parlamentarierin, als Verfassungsrichterin in Karlsruhe und als Bundesjustizministerin durchlaufen hat.

Bestens qualifizierte Frauen können eben nicht mehr übersehen werden oder wegen männlichen Posten-Geschachers leer ausgehen.

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Verschlossene Welt

Mittwoch, 20. August 2014 10:36

“Andere Welt” hat die Filmemacherin Christa Pfafferott ihren inzwischen preisgekrönten Dokumentarfilm über Frauen in der forensischen Psychiatrie überschrieben. Die Autorin beobachtet psychisch erkrankte Straftäterinnen und deren Pflegerinnen. So bezeichnen diese sich selber - wahrlich ein Euphemismus.

Es ist ein spannendes Verhältnis und eine Menge Anspannung steckt auch drin im Verhältnis derer, die als erkrankte Täterinnen hinter einer Gittertür in ihrer Zelle eingesperrt sind und jenen, die sich zwar frei bewegen können, aber dennoch auch in einem Sicherheitstrakt eingesperrt sind, während sie ihre Aufgaben erledigen. Hinter Gittern sind sie beide. Von einer Vielzahl Kameras der Station auf Schritt und Tritt beobachtet. Und dann kommt noch die Filmkamera der Autorin hinzu.

Die Autorin Christa Pfafferott geht der Frage nach, wer auf beiden Seiten der Gittertür welche Macht hat und wie die Frauen ihre Macht nutzen, ausnutzen, ausleben, austarieren. Was bedeutet es, eingesperrt zu sein? Es sind ruhige Beobachtungen der Kamerafrau Eva Katharina Bühler. Schöne Einstellungen, mitunter zu schön. Kein Off-Kommentar stört manche wortlose Szene. Das schafft Nähe, zuweilen unerträglich.

Auch wenn einige Fragen nicht gestellt wurden oder Fragen offen bleiben (müssen), ist ein sehr sensibler Film entstanden, der die Frauen sehr ernst nimmt und lohnt gesehen zu werden. Denn er offenbart nicht nur juristische Fragwürdigkeiten, denen die psychisch erkrankten Täterinnen ausgesetzt sind, sondern gibt der Zivilgesellschaft einen kurzen Moment in eine verschlossene Welt.

Zu Recht erhielt Christa Pfafferott für diesen Dokumentarfilm vom Journalistinnenbund den Marlies-Hesse-Nachwuchspreis 2014 verliehen.

Mehr: Andere Welt

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Überflieger

Freitag, 8. August 2014 8:39

„Irgendwas mit Drohne!“ Der Satz könnte demnächst die Phrase „Irgendwas mit Medien“ ablösen. Denn im TV-Journalismus greift um sich, das einstige Kriegsgerät Drohne als Friedenskamera einzusetzen.

Keine Doku über die Fußball-WM 2014, in der nicht die Perspektive überm Zuckerhut erfasst worden wäre. Gefühlt jeder Bericht im Regionalfernsehen, der mindestens die Dorfkirche im Überflug erfasst. Oder der Krabbelkistenkaufrausch im Konsumtempel, der unbedingt auch mal vom Drohnenteam dokumentiert werden muss.

Zugegeben: Wer gerne im Flugzeug unterwegs ist und einen Fensterplatz ergattert hat, dem ist die kurze Draufsicht auf die Welt immer etwas Ergreifendes. Manche Perspektive ist grandios. Weltanschauung mit berauschenden Bildern. Unwegsames Gelände ist so auch herzeigbar. Doch ab und an darf man auch mal innehalten und fragen, ob der Zweck die Mittel heiligt?

Ein Überflieger ist die Drohne allemal. Und sie schießt - nur Bilder.

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